Ehrgeiz steigt, Hemmschwellen fallen

Ein Sporttag mit dem Motto "Kunterbunt" brachte Schüler mit und ohne Behinderung zusammen. Knapp 200 Jugendliche von Friedrich-Spee-Gymnasium, Gelderland- und Don Bosco-Schule waren dabei.

 Der 18-jährige Riko Pinders aus der Oberstufe des Friedrich-Spee-Gymnasiums (FSG) ist sich sicher: "Der Sporttag 'Kunterbunt' ist wichtig, damit die verschiedenen Schüler miteinander interagieren. Manche sind bislang kaum mit Menschen mit Beschränkungen in Kontakt gekommen. Man kann hier beim Sporttag viel erreichen, denn je jünger die Kinder sind, desto weniger Vorurteile muss man abbauen."

Er und etliche seiner Mitschüler haben an einem wählbaren Projektkurs teilgenommen, der in Zusammenarbeit mit der Don-Bosco-Förderschule durchgeführt wurde. "Dort hatten wir Hospitation, Projektseminare und mehr. Das war ein faszinierendes Erlebnis", erzählt Kristina Knoor (17) vom FSG. "Denn hier am Gymnasium ist man ja sehr leistungsorientiert, während dort der Alltag ganz anders abläuft. Dort sind die Gemeinschaft und das Miteinander wichtig, man konzentriert sich auf die einzelnen Personen."

Knapp 200 Kinder und Jugendliche der Gelderland-Förderschule, des FSG sowie der Don-Bosco-Schule waren gestern in den Spee-, Bollwerk- und Landwehrhallen aktiv. Bei zehn verschiedene Gruppen mit 13 bis 23 Mitspielern konnten sie sich an Judo-, Crossboccia- oder auch Disc-Golf-Workshops beteiligen. Neben den teilnehmenden Schulen half zudem die Sportjugend des Kreissportbundes beim dritten "Kunterbunt"-Tag.

"Hier läuft alles in gemischten Gruppen ab, damit Berührungsängste abgebaut werden. Deshalb haben wir auch verschiedene Spiele und Aktionen, die nicht so bekannt sind, damit alle die gleiche Ausgangslage haben und nicht eine Gruppe das Ganze bereits kennt", so Sportlehrer Frank Blecher vom FSG. "Letztes Jahr hatten wir zum Beispiel eine Schülerin, die am Anfang gar nicht mit Behinderten arbeiten wollte und richtige Probleme hatte", erinnerte sich Lehrerin Simone Grimm von der Gelderlandschule. "Doch den Tag über konnte sie das abbauen, und nachher war es okay."

 

Wenn man einen Blick in die verschiedenen Bereiche der Halle warf, konnte man auch nicht sagen, wer nun eine Beeinträchtigung hatte und wer nicht. Beim "Kin Ball" mussten zum Beispiel die Teams einen großen, leichten Ball so lange es ging in der Luft halten, um zu gewinnen, während beim Crossboccia in den Gängen der Turnhalle am Bollwerk die Geschicklichkeit gefragt war.

"Es ist gut, dass die Schulen alle zusammenarbeiten, denn so lernt man eben auch die beeinträchtigten Schüler kennen, mit denen man auch ganz normal spielen kann", lobte FSG-Schülerin Lisane (11). Auch Maurice (11) vom FSG gefiel die Aktion, und besonders, "dass die älteren Schüler hier aufpassen und nicht die Lehrer, denn so macht es einfach mehr Spaß. Man kann besser die anderen Kinder kennenlernen. Es ist so einfach lockerer, und die älteren Schüler machen ihre Sache gut." Die Schüler der Don Bosco- und Gelderlandschule mochten ebenfalls die gemeinsamen Aktivitäten: "Es macht Spaß, alle sind so nett", lautete das Urteil.

Im Endeffekt sei das inklusive Projekt "ein ganz normaler Kindersport-Tag, nicht mehr, nicht weniger", meinte Frank Blecher. "Aber es freut uns natürlich sehr, wenn die Schülerinnen und Schüler durch das Miteinander auch noch etwas für sich gelernt haben."

Quelle: Christoph Kellerbach, Rheinische Post, 20. September 2017. Foto: Seybert