Landestheater spielt "Faust" in der Aula

Gleich am ersten Schultag des Jahres 2017 stand für die Schülerinnen und Schüler der Qualifikationsphase ein ganz besonderes Erlebnis auf dem Programm: die Burghofbühne Dinslaken war zu Gast in der Aula der beiden Gelderner Gymnasien und bot Goethes „Faust – der Tragödie erster Teil“. Die Lektüre hatten die Schülerinnen und Schüler zuvor im Unterricht untersucht.

Das Ensemble hielt sich zwar im Wesentlichen an die Textvorlage, vor allem sprachlich, fügte aber auch viele eigene Ideen ein. Faust etwa wurde von einer Frau, Friederike Bellstedt, gespielt. Mephistopheles wiederum stellte sich als Publikumsliebling heraus, möglicherweise auch deswegen, weil er einige Passagen im Hip-Hop-Stil betonte und dazu auch die passenden Bewegungen beherrschte.

Besonders originell war das Bühnenbild, das der Regisseur Matthias Fontheim selbst entwickelt hatte: Ein an drei Seiten offener weißer Kasten, der anfangs Fausts Studierzimmer darstellte, zeigte später seine Multifunktionalität, denn in Auerbachs Keller wurde er durch einige LEDs an der Decke zur „Partyzone“. Der Kasten wurde nun von den Schauspielern so lange im Kreis gedreht, dass manche Schülerinnen und Schüler sich wunderten, ob dies den Schauspielern im Kasten gut bekomme oder ob dies eine besonders authentische Darstellung der Wirkung der Getränke aus Auerbachs Keller sein könnte.

Darüber hinaus nutzte das Ensemble den gesamten Saal als Bühne und bezog so das Publikum mit ein. Faust und Wagner machten ihren Osterspaziergang etwa im Parkett und durchstreiften dabei die Sitzreihen. Erschrocken hatten sich dagegen nicht wenige Zuschauer, als Gretchens Bruder völlig unerwartet und vor Entsetzen über die Ereignisse ohrenbetäubend schreiend zur Seitentür hereinstürmte.

Polarisierend wirkte der Einsatz von einer auch für modernes Theater großen Menge Kunstblut sowie die körperliche Präsenz der Darsteller. Sind diese Mittel nun Effekthascherei oder tragen sie zum Verfremdungseffekt im Sinne des epischen Theaters bei? Diese Frage sowie viele weitere wurden anschließend im Unterricht diskutiert.  

Die Burghofbühne Dinslaken

Die Burghofbühne Dinslaken ist eines von vier Landestheatern in Nordrhein-Westfalen. Diese besonderen Theater bespielen zum einen die eigene Bühne am Standort, z. B. in Dinslaken. Daneben veranstalten sie Aufführungen an anderen Orten, um den Menschen in NRW auch außerhalb der Ballungszentren den Theaterbesuch zu ermöglichen.

Die Burghofbühne Dinslaken wurde 1951 gegründet und zählt renommierte Schauspielerinnen und Schauspieler zu ihrem Ensemble. Neben Klassikern gehören Stücke des Jugendtheaters zu ihren Programmschwerpunkten.

Foto: Martin Büttner, Landestheater NRW
Text: VE