Aufführung des Literaturkurses: "Alt - verzweifelt - Faust"


Wir, die 25 Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses der Q1 des Friedrich-Spee-Gymnasiums der Stadt Geldern, unter der Leitung unserer Lehrerin Frau Holt, führten am 18. Juni 2019 ein Theaterstück zu Goethes „Faust I“ mit dem Titel „Mephisto hilft: alt – verzweifelt – Faust“ auf.

Wie auch in den letzten Jahren fand die Aufführung in der hervorragend ausgestatteten Aula der beiden Städtischen Gymnasien der Stadt Geldern statt.

Wir haben unsere schauspielerischen Fähigkeiten erprobt und verbessert, indem wir bereits zu Beginn des Schuljahres vielfältige Übungen im Team oder in der Gruppe absolviert haben. Dazu zählten unter anderem „pantomimische Übungen“, Vertrauensaufgaben und ein inszeniertes Fotoshooting. Dabei musste eine Gruppe von Schülern verschiedene Situationen während eines Gruppenfotos darstellen, um eine ausdrucksstarke Mimik und Gestik zu entwickeln. Beispielsweise sollte eine Situation dargestellt werden, bei der eine Person aus der hinteren Reihe in die Menge fällt. Dabei wurde jeweils ein Foto geschossen und für die Zukunft festgehalten. Zu beobachten waren geschockte und hilflose Blicke der Darsteller sowie Bemühungen, die Person aufzufangen (siehe Foto).

Ebenso behandelten wir einige Kurzgeschichten, schrieben sie um und spielten sie vor, um  einen ersten Eindruck über die bevorstehende, wahrscheinlich wichtigste, Aufgabe zu gewinnen: Die Themen- und Inhaltsauswahl.

 

Die wichtigsten Informationen im Überblick:

Was? Theateraufführung „ Mephisto hilft: alt – verzweifelt – Faust“
Wann?
18.06.2019, Einlass ab 18.30h (Beginn: 19.00h)
Wo?
Aula im Lise-Meitner-Gymnasium, Friedrich-Nettesheim-Weg 6-8, 47608 Geldern
Wer?
Literaturkurs der Q1 des Friedrich-Spee-Gymnasiums

Text: Sebastian C.H. Müller, Nico Pellender (Q1)

 

Das Auf und Ab der Themenfindung

Nachdem wir einige Übungen absolvierten, um unsere schauspielerischen Fähigkeiten zu erproben (siehe Blogbeitrag 1), beschäftigten wir uns mit der Grundidee für unser Theaterstück. Zunächst sammelten wir einige Vorschläge zusammen im Kurs und schauten nach unseren Interessen. Nach einer Abstimmung für unsere gesammelten Themen, kamen wir zunächst zu dem Entschluss, eine Neuauflage des Märchens „Hänsel und Gretel“ im Bezug auf Jugendprobleme zu entwickeln. Dieser Plan wurde jedoch recht schnell unter gemeinsamem Beschluss wieder verworfen, da uns bewusst wurde, dass die Theateraufführungen der Literaturkurse der letzten Jahre oft von Märchen oder Jugendproblemen handelten. Die Inspiration kam uns schließlich durch den Deutschunterricht.

„Faust I“, „Don Carlos“ und „Die Zauberflöte“ – alle haben eine Gemeinsamkeit – sie werden als Schülerschreck empfunden

Im Rahmen unseres Deutschunterrichts wurde das weltbekannte Stück „Faust I“ behandelt. Für viele Schülerinnen und Schüler wirkte das Stück aufgrund seiner komplexen Sprache und doch „gewöhnungsbedürftigen“ Versstruktur als „altmodisch“ oder gar „wenig greifbar“. Daher stellt sich folgende Frage: Warum haben wir uns für „Faust I“ als Textgrundlage für unser Theaterstück entschieden?

Allgemein gehören solche Klassiker wie „Faust I“ oder „Don Carlos“ zur Allgemeinbildung und haben einen hohen kulturellen Wert. Jede Generation interpretiert daher die Bedeutung dieser Werke anders.

Goethe behandelte in seinem Theaterstück vorwiegend die Themenbereiche Religion, Liebe und Wissenschaft und die damit zusammenhängenden Schwierigkeiten. In der heutigen Zeit lassen sich in diesem Bereich ebenfalls Probleme erkennen. Aufgrund dessen haben wir uns dazu entschlossen, diese Thematiken, insbesondere die Liebe, in unserer Inszenierung aufzugreifen. Durch eine modernisierte Form des Dramas, soll dies mit Aspekten aus der heutigen Zeit anschaulich und modern dargestellt werden. Der Leitsatz „Nur wer Altes kennt, kann Neues schaffen“, welchen Rudolf Walter Leonhardt in seinem Artikel „Argumente für und gegen Klassiker“ schon 1973 festhielt, galt auch in unserer Bearbeitungsphase. Wir mussten das Stück zuerst genauer kennen, bevor wir festlegten, welche Aspekte wir in den Vordergrund stellen und welche Szenen wir verändern wollen. Somit werden in unserer Inszenierung bestimmte Aspekte ausgewählt, klassische Sequenzen beibehalten und durch neue Szenen erweitert. Dazu zählen zum Beispiel einige bekannte Zitate Fausts, wie „des Pudels Kern“, welche bis zur heutigen Zeit in den deutschen Sprachgebrauch übergegangen sind.

Lassen sie sich doch von unserer Inszenierung überraschen!

Sebastian C.H. Müller, Nico Pellender, Alexa Hunsmann (Q1)

 

Kreativ zum Ziel: Ein Erfahrungsbericht

Einige Schüler des Literaturkurses der Q1 haben sich bereit erklärt, ihre Erfahrungen über die Auswahl der Rollen mit Ihnen zu teilen. Aufgrund zahlreicher Bewerbungen für die jeweiligen Rollen als Schauspieler, wurde ein Casting durchgeführt.

Michelle W. aus der Q1 war eine dieser Schülerinnen, und sie wird nun ihre Erfahrungen mit uns teilen:

„Als ich von dem Casting erfahren habe, war ich sehr aufgeregt und habe mich sehr darauf gefreut. Da ich mich für die Rolle der Mutter Gretchens bewerben wollte, kam mir die Idee, die Gesangsszene mit passender Musik zu untermauern. Noch am selben Abend habe ich mich an das Klavier gesetzt und verschiedene Akkordabfolgen ausprobiert, um ein optimales, authentisches Bild zu erzeugen (siehe Bild).

Endlich hatte ich die passenden Akkorde gefunden und musste mir nun nur noch überlegen, wie ich das Gedicht singen sollte. Als eine Version des Liedes feststand, übte ich diese jeden Tag bis zum Casting.

Endlich war es soweit. Wir saßen im Proberaum und warteten gespannt darauf, dass unsere Namen von den Juroren aufgerufen wurden.

Plötzlich öffnete sich die Tür und es wurde ein Name aufgerufen. Ein unangenehmes Gefühl breitete sich von meinem Magen bis in die Fingerspitzen aus. Doch dann realisierte ich, dass der aufgerufene Name nicht meiner war. Pure Erleichterung. Meine Mitstreiter und ich gingen noch einmal unsere Szenen durch, um unsere Nervosität zu bekämpfen.

Nun war die Zeit gekommen und ich wurde in den größten Raum der Schule, das Forum, gerufen. Die Juroren saßen bereits in einer Reihe als ich meinen starken Herzschlag in meiner Brust spürte. Jede Kleinigkeit zählte jetzt, es ging um alles, oder eben nichts. Je länger ich vorspielte und sang, desto entspannter wurde ich innerlich. Endlich hatte ich es geschafft, die Juroren applaudierten und baten mich in den Proberaum. Ich hatte mein Bestes gegeben und war zufrieden mit meiner Leistung. Doch hatte meine Vorstellung wirklich gereicht?

Am Ende wurden alle Bewerber zurück ins Forum geordert, wo nun die Entscheidung bekannt gegeben wurde.

Die Juroren begannen vorzulesen, wer welche Rolle erhalten sollte. Mein Name wurde zuerst aufgerufen, tatsächlich hatte ich es geschafft!“

Michelle Wengorsch, Alexa Hunsmann (Q1)

- Stichtag -  Die erste große Probe für unser Theaterstück

Am 09. April 2019 war es endlich soweit. Der erste Termin mit der Theaterpädagogin Frau Maren Gambusch des Theaters Krefeld Mönchengladbach stand für uns Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses an. Dieser Termin zählte als Stichtag für alle Beteiligten, denn bis zu diesem Tag sollte das Stück „Mephisto hilft: alt-verzweifelt-Faust“ fertig geschrieben und die ersten Proben bereits durchgeführt worden sein.

Wir trafen uns mit Frau Gambusch und unserer Lehrerin Frau Holt in unserer Schule und machten uns auf den Weg zur ersten großen Probe in der Aula im Lise-Meitner-Gymnasium.

Das Ziel war, einige schwierige Szenen zu vertiefen und möglicherweise Anregungen zur Verbesserung dieser zu erhalten. In der Aula angekommen, starteten wir bereits mit ersten Aufwärmübungen. Dazu zählten unter anderem einige Übungen zur Lautstärke, Intonation und  Aussprache. So sollten beispielsweise die Konsonanten „p“, „k“ und „pf“ hintereinander ausgesprochen werden. Für eine weitere Übung hatte Frau Gambusch einige Sätze aus unserem Stück mitgebracht und diese sollten von den verschiedenen Schülerinnen und Schülern auf der Bühne mit unterschiedlichen Emotionen präsentiert werden. Weiterführend sollten aus diesen Sätzen in Kleingruppen kurze Szenen erfunden werden. Es war Kreativität gefragt und es wurde zeitgleich mit anderen Schauspielerinnen und Schauspielern interagiert.

Nachdem die ersten allgemeinen Übungen beendet waren, kamen wir zum wichtigsten Teil der Doppelstunde, der Vertiefung der Szenen. Im Vorfeld hatten wir uns zwei Szenen herausgesucht, die uns herausforderten und bei denen wir Frau Gambusch um Rat bitten wollten. Dabei handelte es sich um eine Kampfszene und eine Liebesszene. Hinsichtlich der Kampfszene stellte sich für uns die Frage, inwiefern Schauspieler Gewalt und Trunkenheit auf der Bühne authentisch darstellen können. In der Liebesszene geht es selbstredend besonders um den Ausdruck großer Zuneigung und Intimität. Die Theaterpädagogin erklärte uns, dass das Gelingen einer solchen Szene ein großes schauspielerisches Können voraussetzt, da beispielsweise Küsse erhebliche Überwindung kosten.

Insgesamt war die Übungseinheit mit Frau Gambusch sehr lehrreich und wir konnten zahlreiche förderliche Tipps und Verbesserungsvorschläge für unsere Aufführung mitnehmen.  Kurz vor unserer Aufführung (zur Erinnerung: am 18. Juni 2019) steht ein weiterer Termin mit Frau Gambusch an, bei dem final mögliche Probleme behoben werden können. Bis dahin werden wir uns weiterhin motiviert auf unsere Aufführung vorbereiten und hoffen, dass Sie neugierig auf die Umsetzung der bisherigen und noch kommenden Ratschläge bezüglich unseres Theaterstücks geworden sind.

Nico Pellender, Alexa Hunsmann, Eloise Kox, Sebastian C. H. Müller (Q1)